Gestern Abend mussten wir erstmal würfeln, wer in welchen Etagenbett wo schläft. So viel Auswahl hat man selten. Wir haben auf dem Campingplatz ein Upgrade bekommen von einer 2-Personen auf eine 6er-Hütte. Aber was nützen einem sechs Betten, wenn Dusche und WC eine Wanderung entfernt sind?
Dafür ist der Ausblick auf den Fjord unschlagbar. Die umliegenden Gletscher färben den Fjord tieftürkisblau. Einen von diesen Kollegen besuchen wir heute nochmal. Dafür fahren wir ins Jostedal. Hier befindet sich der Nigardsbreen-Gletscher, der ebenfalls zum Jostedalsbreen gehört. Es ist also immer noch derselbe Gletscher wie gestern und vorgestern. Nur sind wir stundenlang um ihn herum gefahren, um nun hier zu sein. Hat sich das gelohnt? Oh ja!
Bereits vom Museum Breheimsenteret in interessanter Helmform hat man einen fantastischen Blick auf den Gletscher. Der Nigardsbreen ist wieder etwas touristischer. Zumindest lassen das die vielen Parkplätze vermuten. Es gibt Touren auf den Gletscher mit Guide und Bootstouren als Abkürzung der Wanderung auf dem Nigardsbrevatnet. Der Gletscher reicht hier ziemlich weit ins Tal. Der Fußweg ist also insgesamt sehr überschaubar, aber es geht über recht glatte Felsen. Paula wollte todesmutig im See trinken und rutschte dabei selbst mit ihrem 4×4-Antrieb fast hinein.
Nach drei Kilometern ist der Gletscher erreicht. Man kommt sehr nah hinan. Der Gletschermund ist umwerfend. Das Eis ist türkis und das Licht lässt das Wasser unter dem Eis dunkelblau erscheinen. Wahnsinn! Zurück geht es über die vom Gletscher glatt geschmirgelten Felsen.
Nach so viel Natur beschließen wir, dass wir (ich) bereit sind für etwas Kultur. Auf der anderen Seite des Fjords befindet sich in die älteste heute noch erhaltene Stabskirche der Welt. Sie geht auf das 11. Jahrhundert zurück. Um dorthin zu kommen, geht es auf die Fähre. Bereits die Straße runter nach Solvorn ist abenteuerlich, aber wie der Ort selbst auch sehr schön. Aber getoppt wird die Abfahrt durch die Fähre selbst. Als wir ankommen, sehen wir nur eine Rampe aus Holz. Wenig später kommt eine nicht allzu große Fähre. Bezahlt wird wie immer völlig unkompliziert mit einem Piep und dann kommt die Anweisung: nach vorn fahren und dann rückwärts drauf. Das hatten wir bislang auch noch nicht.
Die kleine Kirche oberhalb von Ornes ist bemerkenswert. Teile der hölzernen Kirche sind fast 1.000 Jahre alt, der größte Teil immerhin noch 900 Jahre und sie hat die Zeit überdauert. Ihre Schnitzereien haben es bis auf die Trikots der Fußballnationalmannschaft geschafft! Zurück fahren wir über Skjolden mit einem Halt am tosenden Feigefossen. Diese Seite des Fjords ist sehr abgeschieden und ruhig. Die Straße ist eng, aber die Route ist sehenswert.



















