22–Abflug

Da unser Flug erst um Mittag geht, können wir Ausschlafen. Unser Frühstück haben wir bereits gestern Abend im Nachbarschaftsmarkt besorgt. Hier in Japan haben sie so Dosenmandarinen in Gelee. Die gibt es gekühlt im Becher. Wunderbar zum Frühstück. 

Das Wetter in Tōkyō ist schon seit gestern Abend richtig mies. Es ist grau und regnet ordentlich. Dafür werden wir die Putzfrau in unserem Hotel wahrscheinlich nie vergessen. Sie sieht uns aus einem anderen Zimmer heraus, verbeugt sich tief, winkt uns zu und verabschiedet uns mit einem sowas von herzlichem Sayōnara. 

Das Shuttle des Hotels bringt uns pünktlich zum Flughafen. Fahrzeit sind exakt 7 Minuten. Selbstverständlich fährt der Fahrer pünktlich 9:30 Uhr. Er entschuldigt sich sogar, dass es beinahe 9:31 Uhr geworden ist. Der Flughafen ist wirklich nicht weit. Im internationalen Terminal müssen wir noch unseren kleinen Wifi-Router abgeben, der uns treue Dienste in ganz Japan geleistet hat. Das war wirklich sehr hilfreich. Und dann können wir schon das Gepäck abgeben. Für einen so großen Flughafen ist es relativ ruhig hier. An der Sicherheitskontrolle müssen wir nicht lang warten und bei der Ausreise auch nicht. 

Unser Lufthansa A350-900 mit Taufnamen Erfurt wartet bereits auf uns. Mittlerweile schüttet es und das Flugzeug macht ordentlich Wind beim Abheben. Japan hat sich zum Abschied verhüllt. Außer weißem Nebel sehen wir absolut nichts. Es schüttelt uns kräftig durch. Die Wolken reichen heute bis auf 10.000 Meter hoch. 

Der ganze Kontinent ist in Wolken gehüllt. Viel sehen wir nicht. In München bekommt der Flieger gerade noch so die Kurve. Nach unserer Landung wurde der Flugbetrieb eingestellt. Unser Flug nach Dresden wird gestrichen. Und mit einmal Mal herrscht Chaos im sonst so gut organisierten Flugbetrieb. Die Schlange am Service Center der Lufthansa ist hunderte Meter lang. Sie bekommen es nicht hin, ausreichend Mitarbeiter zu organisieren. Es dauert zwei Stunden, obwohl wir relativ vorn in der Reihe stehen, bis wir ein Hotel erhalten und Aussicht auf einen Flug mit Umsteigen in Frankfurt. 

Am Taxistand vermissen wir die japanische Ordnung. Auch in Deutschland stellt man sich an, aber natürlich aktiv. Hier wird gedrängelt und gedealt. Ein Wunder, dass hier niemand bei dem Chaos überfahren wird. Der Taxifahrer erzählt uns ganz offen, dass er keine große Lust auf Lufthansas Gäste hat. Zu wenig Umsatz, zu viel Arbeit. Er macht da lieber Feierabend – auch wenn da noch hunderte Gäste warten. 

Das Best Western in Erding ist eher wie eine Jugendherberge. Aber es gibt etwas zu Essen und ein Bett. Mehr wollen wir nach 21 Stunden auf den Beinen auch nicht. Am frühen Morgen fliegen wir zuerst nach Frankfurt. Dort macht man uns bedingt Hoffnung, dass gegebenenfalls einer von uns beiden weiterfliegen kann. 12:10 Uhr wäre Abflug. Es gibt eine Warteliste mit 14 Personen für den Flug. Wir stehen auf Platz 9 und 10. Punkt 12 erfolgt die Erlösung. 20 Gäste aus Los Angeles haben es nicht mehr rechtzeitig zum Boarding geschafft. So geht es am Ende in einem längst nicht vollen Flieger für uns endlich nach Hause. Selten freut man sich so sehr, im Flieger zu sitzen.

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