7–Tokyo II

Nachdem der gestrige Tag lang und doch auch anstrengend war, gönnten wir uns heute eine zusätzliche Mütze Schlaf. Wir haben das Gefühl, dass unser Viertel zum Wochenende hin touristischer geworden ist. Viele Chinesen sind hier, aber auch Europäer aus allen möglichen Ländern. Viele Sprachen können wir nicht zuordnen. Nach dem Frühstück im Hotel brechen wir auf.

Heutiges Ziel sind der Süden und Osten Tokyos. Wir nutzen die Metro, um dahin zu kommen, und beginnen mit dem Zōjō-ji. Der buddhistische Tempel im Stadtteil Shiba-kōen ist definitiv einen Besuch wert. Sein Eingangstor und das Hauptgebäude sind mächtig. Sofort verliebt haben wir uns in die vielen kleinen Jizō-Statuen. Alle haben ein rotes Mützchen, einen Latz und ein Windrad. Es sind die Schutzgötter der Kinder. Der Tempel steht in direkter Nachbarschaft zum Tokyo Tower, der bei seiner Erbauung in den 50er Jahren mit 332,6 Metern der höchste Fernsehturm der Erde war. Die vielen Hochhäuser in seiner Umgebung lassen ihn allerdings kleiner wirken als er eigentlich ist.

Weiter gehts durch die Stadt Richtung Fischmarkt. Der Stadtteil hier ist recht ruhig und gesetzt. Der alte Tsukiji Fischmarkt, der für seine Thunfischauktionen bekannt ist, wird im Moment abgerissen. Viel ist nicht mehr zu sehen. Den Tsukiji Outer Market gibt es weiterhin. Wir merkten schnell, dass wir richtig waren. Das Ganze ist sehr beliebt und entsprechend voll. Mittlerweile ist es knackend heiß. Da in Japan auch herzhaft zum Frühstück gegessen wird, macht der Markt schon um 5:00 Uhr auf und schließt nach dem Mittagsgeschäft. So ist alles sehr frisch und macht bei der Hitze im Sommer auch Sinn. Auf dem Markt selbst wird alles lebend, frisch tot oder getrocknet verkauft, was so aus dem Meer zu holen ist. Vieles wird frisch zubereitet und kann vor Ort verspeist werden. Das meiste ist nicht gerade günstig und für das eine oder andere müssten wir uns wohl auch vorher überwinden. Wir entscheiden uns daher für die sichere Bank: Sushi. 

Der Hamarikyu Garten ist nicht weit vom Markt entfernt. Er liegt ebenfalls an der Mündung des Sumida-Flusses in die Bucht von Tokyo. Hier verbringen wir den Mittag im Schatten bei angenehmer Prise. Viel ist im Park nicht los. Er kostet aber auch Eintritt. Das Sushi war wirklich gut. Viel Fisch, der beim Essen im Mund zergeht. Köstlich. Nach kurzer Rast schauen wir uns um. Der Salzwassersee und vor allem die rekonstruierten Teehäuser sind äußerst hübsch vor der Hochhauskulisse. Die Hochhäuser könnten natürlich überall auf der Welt stehen. Aber der Garten vermittelt ein Gefühl von Japan.

Wahrscheinlich nur in Japan verursacht die Sperrung einer ganzen Hauptstraße am Wochenende keinen Megastau. Im Einkaufsviertel Ginza wird so die Chuo Dori immer zur Fußgängerzone. Wir biegen am einen Ende der Straße ein und sind überwältigt. Die Straße ist riesig und die vielen Geschäfte funkeln im Nachmittagslicht. Wow. Wir schlendern einmal komplett entlang und schauen uns die tollen Fassaden an. Auch die ganze Stimmung ist toll. Natürlich könnten wir hier Jahresgehälter umsetzen. Vielleicht ein andermal.

Wir laufen weiter Richtung Tokyo Station. Da der Weg bis Akihabara zu weit wäre, springen wir in die Metro. Akihabara Electric Town ist ein kleiner Kontrast zum sehr mondänen Ginza. Hier gibt es von Glühbirnen, Kabeln, Handys bis zu Figuren aus allen möglichen Games wirklich alles. Einige Figuren sind nicht ganz jugendfrei. Kurzerhand beschließen wir einen Zwischenstopp bei einem Koreaner. Platz ist begehrt in Tokyo. So ist das Restaurant im Keller. Eine kleine Stiege führt hinunter. Wir bestellen mal wieder am Automaten und müssen dann kurz auf einen Platz warten. Das Essen ist unbeschreiblich. Eine Explosion. Das ganze Gegenteil zum eher sanft gewürzten japanischen Essen. Die Schärfe treibt Schweißperlen auf die Stirn. Huh. So froh war ich noch nie über ein Schälchen Reis zu … Nudeln.

Am Abend bummeln wir noch eine Runde vom Bahnhof Shinjuku durch Kabuki-chō, was unsere unmittelbare Nachbarschaft ist. Das ist das Viertel mit den eher leichten Mädels, Jungs und am Ende erleichterten Geldbörsen der Kundschaft. Auch das vielleicht dann doch ein andermal.

Tagesleistung: drei Mal die Metro bezwungen. 20.500 Schritte gelaufen.

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