19 – Grand Canyon NP

Der Tag beginnt kalt, eiskalt. Beim Gang auf den Balkon erwartet mich ein wunderbarer Sonnenaufgang über dem Little Colorado River. Toll. Ich zähle die Wolken: alles im Rahmen! Hui, ist das kalt. Nützt aber ja alles nicht. Wir kommen aus Deutschland, wir sind das gewöhnt.

Gewöhnen muss ich mich an die Zeit: die Indianer haben an der Uhr gedreht. Auch wenn wir in Arizona sind, es keine Sommerzeit hier gibt, die Indianer haben ihre eigene Zeit. Die waren ja auch schon vor den Arizonern hier.

Im Grand Canyon gilt also wieder eine andere Zeit, auch wenn der nur eine halbe Stunde den Berg hoch ist. Zum dritten Mal stehen wir nun hier. Es ist immer noch ein großes Loch. Eigentlich zu groß, um etwas damit anfangen zu können. Heute wollen wir daran was ändern. Auch von den Schildern, die uns über Todesfälle und deren Ursachen aufklären, lassen wir uns nicht abschrecken. Wir wagen den Abstieg. Überhitzen wird heute keiner. Das iPad zählt die Höhenmeter für uns. Zu viele sollen es nicht werden. Wir wollen nicht drin, sondern schließlich draußen übernachten.

Der Abstieg beginnt auf knapp 2.300 m. Hier liegt noch gut Schnee. Verständlich, es hat ja geschneit überall im Westen. Uns begegnen Turnschuhwanderer. Zum Teil mit schwerem Gepäck. Die fahren zunächst mehr Ski als dass sie absteigen. Wenn die wüssten, dass nach dem Schnee Matsch auf ganzer Strecke kommt. Es ist eine einzige Rutscherei bis runter. Der Weg wird nicht besser. Trotzdem genießen wir die Schlammschlacht. Der Ausblick ist phantastisch. 8 km Strecke und knapp 500 m Höhenunterschied. Das machen wir jeden Tag.

Oben angekommen beweist ein Rabe, dass er ein Singvogel ist. Ich glaube, seine Rabin war in der Nähe. Frühling!

Nicht genug für heute. Es geht weiter.

Im anderen Teil vom Park sind die Parkplätze knapp. Daher wurde hier ein Shuttleservice eingerichtet. Da wir in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit dem Shuttleservice gemacht haben, beschließen wir, gleich zurück zu laufen. Wir fahren zunächst bis zur Abyss Richtung Hermits Rest mit dem Bus. Autos sind hier nicht erlaubt, da es keine Parkplätze gibt. Daher ist der Bus in eine Richtung unumgänglich. Nochmal 7 km. Wir sehen wieder Raben. Niedlich. Und Elks. – Das sind Wapiti. Einfach nur große Rothirsche. Wahrscheinlich haben die Siedler sie deswegen mit Elchen verwechselt. –  Ich will nicht mehr. Morgen wird nur Auto gefahren. Ein Wolf läuft über die Straße. Der hat bestimmt genauso Hunger wie ich jetzt. Schnell vorbei, bevor der auf dumme Gedanken kommt.

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