21–Im Zug

So ein traditionelles japanisches Zimmer ist wirklich spartanisch. Nach der zweiten Nacht sind wir sehr froh, dass nun wieder ein westliches Bett auf uns wartet. Traditionell sind in Japan die Zimmer mit Tatami-Matten ausgelegt. Das Leben spielt sich auf diesen Böden ab. Sie werden nur mit Hausschuhen werden. Darauf wird geachtet. Denn Geschlafen wird auf dem Boden auf Futons. Diese sind relativ dünn. Das hat für uns eher Campingcharakter und war ein tolles Abenteuer. Bad und Dusche waren bei uns im Zimmer verortet, was nicht so sein muss. Unser Hotel bot auch kleinere Zimmer an mit Toilette und Dusche auf dem Gang.

In den Tag starten wir noch einmal mit Frühstück im Hotel. Von der Lobby aus hat man einen schönen Blick aufs Meer. Zu uns gesellen sich zwei ältere Amerikaner und ein Russe – und wir zwei Deutschen dazwischen. Sinnbildlicher hätte es nicht sein können und sehr politisch vor dem ersten Kaffee. Die Unterhaltung war nett und als der Russe mit seinem schönen Akzent sagte, er sei Ingenieur für Atomkraftwerke, auch ein ganz klein wenig makaber. 

Unser Gepäck lassen wir nochmal im Hotel und spazieren an der Promenade entlang. Ein wenig können wir noch die Aussicht von der Terrasse einer großen amerikanischen Kaffeehauskette genießen. Sie sind aber auch in jeder Ecke der Welt vertreten. Dann können wir noch kurz shoppen – typisch für die Insel sind hölzerne Reislöffel in jeder Größe und Softkekse in Ahornblattform – bevor wir die Fähre in Richtung Festland nehmen.

Mit der Sanyo-Linie fahren wir nach Hiroshima. Perfekt für ein Mittagessen im sehr schönen und sicherlich relativ neuen Food Court des Bahnhofs. Bis nach Tokyo müssen wir noch einmal in Shin-Osaka umsteigen. Dorthin bringt uns der Sakura Shinkansen in 1:26 Stunden. Das ist der Zug mit dem Wohnzimmerfeeling, aber er hat schöne breite Sitze. Danach nehmen wir den Hikari Shinkansen nach Shinagawa. Fahrtdauer sind 2:47 Stunden. Dort müssen wir nochmal umsteigen in einen Flughafenzubringer, der uns zu unserem Hotel am Flughafen bringt. Der Hikari führt uns noch einmal an Kyōto und Nagoya vorbei. Die 800 Kilometer Gesamtstrecke legt der Shinkansen in reichlich 4 Stunden zurück. Respekt. Mit dem Auto hätte man es bestimmt nicht in der doppelten Zeit geschafft. Aber mit dem Zug kann man auch nichteinfach mal so anhalten, wo es einem unterwegs gefällt. 

Auf unserer Reise waren alle Bahnhöfe gut beschildert. Die meisten Anzeigen waren auch mit lateinischen Buchstaben und so lesbar für uns. In den ländlicheren Gegenden im Osten und Süden waren die Ansagen in den Zügen nicht immer auch in Englisch. Um Hiroshima war der Zugverkehr bei uns außer Takt und wir dann doch etwas ratlos, aber im Prinzip kann einem mit dem Rail Pass nicht viel passieren, wenn man doch mal in die falsche Richtung fährt oder der Zug früher als am Ziel endet. Alle Shinkansen, mit denen wir unterwegs waren sauber und sehr großzügig. Unsere Koffer passten immer oben in die Gepäckablage und auch die Beinfreiheit war mehr als ausreichend. Die Züge verkehren im super engen Takt. Große Wartezeiten hatten wir nie. Perfekt sind auch die Markierungen an den Bahnsteigen. Die Wagen sind 1A markiert. Wenn man eine Reservierung hat, steht man sofort richtig. Für Raucher gibt es sogar kleine Raucherräume an Bord. Und einen Shinkansen mit Hello Kitty gibt es sogar auch.

In Shinagawa geht es mit der Keikyu-Linie Richtung Flughafen. Ein wenig wirr waren wir oder die Schilder. Auf einmal waren wir doch bei JR gelandet. Und immer, wenn man die Suica-Karte einmal irgendwo einbucht, lässt sie einen nicht mehr durch dieselbe Schranke raus. Oder in unserem Fall in die Schranke von Keikyu, dem anderen Bahnbetreiber, hinein. Irgendjemand hilft einem immer. Und so sind wir gut im Flughafenhotel angekommen. Essen gibts nebenan. Ein letztes Mal Ramennudeln – diesmal in Erdnusssoße. Lecker 🙂

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