9–Nagoya

Wie soll man den heutigen Morgen beschreiben? Vielleicht als einen leichten Anflug von Panik. Zunächst stehen wir früh auf. Schnelles Frühstück. Gepackt hatten wir gestern schon, sodass wir weit vor der Zeit sind, als wir in die Metro gehen. Wir müssen zur Tōkyō Station auf der anderen Seite der Innenstadt. Ab heute reist unsrer Gepäck mit. Und das wird gleich zum Problem. Wir müssen umsteigen in eine weitere Metro-Linie und merken schnell, das wird wohl nichts. Die Züge kommen im Minutentakt. Einer nach dem anderen. In jedem drücken die Leute ihrer Nasen an die Scheibe, aber niemand steigt aus. Innerlich verabschieden wir uns vom Shinkansen und suchen einen Plan B. Doch zur Shinjuku-Station laufen? Zum Montagmorgen ist auch hier die Hölle los. Wir probieren es trotzdem und versuchen unser Glück an der Chuo-Linie. Gut so! Denn die kommt zwar auch rappelvoll an, aber Hundertschaften steigen aus. 

Am Shinkansen ist es dann ruhiger. Die Züge sind groß und fahren im engen Takt. Da wir unsere Reservierung schaffen, haben wir auch unsere Plätze. Hinter Yokohama grüßt noch einmal der Fuji, als der Zug ordentlich Fahrt aufnimmt. Laut Wiki schafft er hier auf der Strecke 270 km/h. 

Im Zug planen wir unsere weiteren Fahrten. Nicht, dass wieder Verbindungen ausgebucht sind. Es sind doch mehr Züge reservierungspflichtig als ich zunächst dachte. Einmal in Nagoya angekommen, belagern wir deshalb gleich das JR Ticket Office. Die Dame reserviert uns sehr gewissenhaft und nett alle unsere Fahrten. Mit dem Japan Rail Pass ist das inbegriffen. Mit einem Stapel Tickets ziehen wir von dannen.

Der Weg zum Hotel führt uns an einem Markt vorbei. Das Treiben ist jetzt um die Mittagszeit schon durch. Aber überall verkaufen nette Damen Lunch Boxen. Für 3,20 EUR macht man da nix verkehrt und wir schlagen zu.

Auf unser Hotel heute freuen wir uns schon. Aber leider nehmen es die Japaner bei den Check-Inn-Zeiten sehr genau. Wir können nur unser Gepäck abgeben. Das ist auch schon mal was. Im Park nebenan essen wir mit vielen anderen aus den umliegenden Büros. Interessant, die Japaner essen alle alleine. Gemeinsame Mittagspause ist hier wohl unüblich. 

Nach dem Mittag laufen wir zur Burg. Dort gefällt es uns ausgesprochen gut. Im Burggraben leben übrigens immer noch ausgesprochen gefährliche Tiere: Rehe. Der nach dem Zweiten Weltkrieg aus Beton rekonstruierte Burgturm soll noch dieses Jahr abgerissen und aus Holz neu aufgebaut werden. Ganz frisch fertiggestellt ist der Hommaru-Palast. Den schauen wir uns an und sind von der Pracht beeindruckt. Hier residierte einst der Shogun. Vor der Burg sind Bonsais ausgestellt.

Im restlichen Nagoya wird viel gebaut. Auch der Fernsehturm ist eine Baustelle. Man sieht die Transformation der Stadt. Was neu gebaut wurde, sieht richtig gut aus. Andere Ecken sind weniger schick. Insgesamt geht es lockerer zu, es wird deutlich mehr Fahrrad gefahren und auch deutlich mehr öffentlich geraucht. Und Autoverkehr ist hier auch viel mehr als in Tokyo. Aber wen wundert es. Um die Ecke ist der Sitz von Toyota.

Zu Abend essen wir in einer kleinen Izakaya-Kneipe. Auch hier zieht man die Schuhe aus. Es wird geraucht, getrunken und sehr sehr lecker gegessen.

Das waren heute wieder 15.000 Schritte bei über 32°C. Das geht wirklich in die Knochen. 

Ein Gedanke zu “9–Nagoya

  1. Sicher ist das Laufen anstrengend, aber ich denke, dass die Augen noch viel mehr leisten müssen. Ich denke, ihr habt noch wochenlang zu Hause zu tun, um alles zu verarbeiten. Trotzdem beneide ich euch immer noch!

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