13—Atlantik 4

In der Nacht wurden die Uhren erneut umgestellt. Die ersten beiden Stunden hat man kaum gemerkt. Die dritte tat schon fast weh. Das gibt ein spätes Frühstück heute.

Der Wind hat gedreht und auch die Wellen haben sich merklich geändert. Wir haben die Passatzirkulation verlassen und sind nun in der Westwinddrift angekommen. Statt aus Ost kommt der Wind jetzt mäßig von West. Im Atlas reicht die Passatzone bis 30° Nord, wir sind im Moment bei 28° Nord angekommen und merken deutlich, wie die starken Ostwinde mit einem Mal verschwunden sind. Da spürt man auf einmal hautnah, worüber in der Schule immer gesprochen wird und was die Schüler immer nicht verstehen wollen 😉

Das starke Azorenhoch hält uns die Tiefdruckgebiete fern. Die schicken dafür Grüße auf dem Seeweg: Dünung. Das sind ganz regelmäßige, lange alte Wellen aus Norden, die das Schiff wunderbar anheben und absenken. Die Dünung ist gut drei Meter hoch. Der Sturm muss also beachtlich gewesen sein. Jetzt wandern seine Boten tausende Kilometer über den Ozean, bevor sie irgendwann einmal an Land treffen und brechen. Ansonsten ist das Meer ruhig. Tanzend fahren wir mit 17 Knoten weiter Richtung Madeira. Das Ganze ist gut auszuhalten.

Am Nachmittag steht sportliche Betätigung auf dem Programm: der Schiffstriathlon. Nein, nicht Kaffee, Kuchen, Sangria, sondern Schwimmen, Laufen und Krafttraining.

Heute Abend werden die Muttis an Bord zu ihrem Roli ausgeführt. Sie sind schon den ganzen Tag ganz aufgeregt. Es ist Schlagernacht. Dafür wurde extra der neuste Schrei vom Asiamarkt eingepackt. Hauptsache farbenfroh. Wir gehen rein aus wissenschaftlichen Interesse hin. Und weil sonst nichts mitten auf dem Atlantik los ist. Die Show ist wirklich gut und witzig.

Hinterher singt der Shantychor unseres Schiffs. Der Chor besteht vom Schiffsarzt und Kreuzfahrtdirektor nur aus Besatzung. Sie machen tolle Stimmung.

Hinter in der Abtanzbar könnte man meinen, dass mit reichlich Aspirin, Sekt und WD 40 alles aus den Muttis rausgeholt wird. Es lebe der Diskofox und der deutsche Takt. Hoch lebe Olga von der Wolga. Ich werde von ihr, Dauerwelle und Andrea Berg träumen. Alle furchtbar tanzwütig. Oh Himmel. Aber wir machen nette Bekanntschaft mit Polen. Einer von ihnen ist seriöser Autohändler!

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