09—St. Maarten

Nach einer kurzen Fahrt laufen wir in den Hafen von St. Maarten ein. Die kleine Insel ist geteilt in einen französischen und einen niederländischen Teil. Sie wurde letztes Jahr schwer von Irma getroffen. Es sieht aus wie im schlimmsten Kriegsgebiet.

Pünktlich zum Frühstück auf dem Hinterdeck läuft unsere geliebte Silhouette ein. TUI ist super, viele Dinge sind sogar besser gelöst, aber bei Celebrity war es noch so ein kleines I-Tüpfelchen, das uns hier fehlt. Das Schiffsdesign war um Welten eleganter und das Abendessen formeller. Das hatte schon was. Das Essen selber nimmt sich nichts, ist bei TUI vielleicht sogar geschmackvoller.

Heute wollen wir die Insel mit dem Fahrrad erkunden. Es gibt dafür hier einen großen Anbieter, Trisports, der die Räder direkt zum Hafen bringt. Die haben wir gesehen. Die Räder waren da, aber sonst niemand. Was für ein Reinfall. Der Typ hat bei der Reservierung das Datum falsch in den Kalender eingetragen oder verschlafen oder beides. Noch eine Stunde wollen wir nicht warten. Also lange Gesichter zum frühen Morgen.

Wir entscheiden uns, zu Fuß nach Philipsburg zu laufen. Der Weg vom Hafen in die Stadt ist nicht weit, vielleicht 10-15 Minuten. Schatten gibt es keinen. Die Bäume sind nahezu alle weg. Die Insel wirkt sehr karg und kahl. Kein Vergleich zum mit Regen verwöhnten Dominica, wo sich wenigstens die Natur schon gut erholt hat. Am Berghang neben der Straße sehen wir Bäume, bei denen nur noch das Gerippe steht. Blätter und Rinde wurden vom Sturm mitgerissen. Neben dem Hafen wurden vom Sturm zertrümmerte Container und Schiffe aufgetürmt. Gespenstisch.

Nach einer kurzen Runde durch Philipsburg überlegen wir, was wir mit dem lieben langen Tag noch anfangen wollen. Das Örtchen gibt nicht viel her. Es lebt im Wesentlichen von den Schiffen. Bis zu neun Schiffe legten hier früher pro Tag an. Das schafft den einen oder anderen Souvenirshop. Aber sonst nicht viel. Die Gebäude sind provisorisch wieder zusammen gezimmert. Die Schäden sind überall noch sichtbar. Als wir ein wenig aus der Ortschaft hinauslaufen, sehen wir ein großes Hotel, das komplett verwüstet wurde. Massive Gebäude bis auf die Grundfesten zerstört.

Es ist kurz vor Mittag. Wir entschließen uns, eine kleine Rundfahrt mit dem Taxi zu machen. Darauf ist man hier in der Karibik überall spezialisiert. An jeder Ecke warten die Fahrer. Es wird ein Festpreis vereinbart und los gehts. Gezahlt wird zum Schluss. Wir fahren zunächst nach Marigot auf der französischen Seite. Die Stadt ist ein reines Trümmerfeld. Wir erfahren, dass zwar Hilfe angekündigt wurde, aber bislang keine Gelder flossen. Selbst die Versicherungen zahlen nicht. Für kaputte Autos sowieso nicht, aber selbst bei Gebäudeschäden wird bislang nicht reguliert. Die Menschen sind ernüchtert und blicken mit größter Sorge auf den Sommer, da die nächste Hurrikansaison beginnt.

Berühmt ist St. Maarten für seinen Flughafen. Auch der wurde hart getroffen und auch hier hat die Versicherung noch nichts gezahlt. Trotzdem läuft der Flugbetrieb wieder notdürftig. Große Maschinen landen noch nicht. Wo sollten die Menschen auch schlafen. Alle größeren Hotels wurden zerstört.

Aus den Videos zu den spektakulären Landungen am Princess Juliana Airport kennt man die benachbarten Hotels am Maho Beach. Die Hotels stehen noch, aber meist bestehen sie nur aus ihren Stahlgerippen. Für Übernachtungen ist die Insel noch nicht bereit. Umso wichtiger sind im Moment die Schiffe mit den Tagestouristen.

Als wir am Flughafen waren, landeten nur kleine Maschinen. Es ist trotzdem beeindruckend, wie die Flieger auf den Strand zusteuern, dann nur wenige Meter über den Köpfen der Menschen fliegen und schließlich direkt dahinter auf dem Asphalt aufsetzen. Absoluter Wahnsinn. Hier könnte ich Tage verbringen. Leider bleibt uns nur eine halbe Stunde. Das Taxi wartet. Reicht für einige tolle Videos und einmal Baden. Das Wasser ist der Knüller. Es hat so eine tolle Farbe.

Zurück in Philipsburg nehmen wir uns zwei Liegen mit Sonnenschirm am Strand und genießen den verbleibenden Nachmittag. Als wir zurück zum Schiff laufen, machen die Läden schon zu. Man ist geschäftstüchtig hier, aber alles hat seine Grenzen. Halb Fünf ist Schluss.

Um Fünf läuft die Silhouette aus. Wir schauen ihr hinterher. Sie fährt zurück nach Fort Lauderdale und beginnt dann von dort aus am Sonntag ihre Überfahrt über den Atlantik. Wir fahren ihr voraus, denn unser großes Abenteuer beginnt heute Abend.

Die Crew gibt sich große Mühe. Am Pool ist Party mit Schokoladenbüffet und frischen Kokosnüssen. Es gibt Freiluftkino und eine große Show. Aber der Wind frischt auf und das Schiff schwankt. Ich hab genug und gehe schlafen.

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