Wer zuerst kommt, malt zuerst – in unserem Fall am Geirangerfjord. Leider lassen sich die Campingplätze dort nicht reservieren und allzu viele Alternativen gibt es auch nicht. Bevor wir irgendwo auf einem kalten, zugigen Berg schlafen müssen, verlassen wir Lom lieber zügig, obwohl es uns hier auch sehr gut gefällt. Nur der Stabskirche statten wir noch einen fixen Besuch ab und dem örtlichen Supermarkt.
Dann drücken wir auf das Gaspedal und fahren die Straße 15 Richtung Geiranger. Die Route folgt dem Fluss Otta durch das Ottadalen. Die Region ist total schön. Das Tal ist breit und grün. Immer wieder stehen große Gehöfte abseits der Straße mit einem Mix aus alten, aber auch neuen Häusern. Die älteren sind sehr rustikal, oft sind es nur Blockhäuser mit grasbewachsenen Dächern, aber teilweise haben sie auch sehr kunstvoll gestaltete Aufbauten. Total interessant und schon auch sehr anders.
Die Route führt hinauf ins Hochland auf rund 900 Meter. In der Nähe von Grotli wundere ich mich, was neben der Straße im Gebüsch ist. Ein Bär? Nein, ein Polizist mit der Laserpistole! Mitten im Nirgendwo im Hochgebirge an einer geraden breiten Straße. Wenn sie nichts besseres zu tun haben. Nach dem Breidalsvatnet zweigt die Straße nach Geiranger ab. Es geht steil hinab an den Fjord. Die Straße ist zum Teil wieder sehr eng. Und natürlich wollen alle von der Aida mit Bussen hinauf auf die Dalsnibba, den örtlichen Aussichtsberg. Einige nutzen auch kleine Miet-E-Zweisitzer. Die kleinen Flitzer sind echt cool. Die Busse dagegen verkeilen sich fast, wenn sie einander begegnen.
Am Campingplatz ergattern wir noch einen Stellplatz in erster Reihe am Fjord. Der Platz hat eine super Lage und befindet sich direkt unterhalb der berühmten Adlerstraße, die sich in elf Serpentinen den steilen Berg hinauf windet. Sie ist die einzige Verbindung, über die Geiranger im Winter auch heute noch zu erreichen ist. Die gute Lage lässt sich der Campingplatz exquisit bezahlen. Aber dafür sind die Einrichtungen bislang auch die besten unserer Reise. Am Nachmittag laufen wir nach Geiranger. Der Ort ist an sich winzig. Auf die 200 Einwohner kommen heute viele Tagestouristen, wir, der Hund und 3.300 prima Aidaristen. Der Weg entlang des Storfossen ist entsprechend voll, aber trotzdem sehr schön.