Jæren

Den Tag beginnen wir heute etwas früher und gleich mit einem feuchtfröhlichen Abenteuer. Der erste Weg führt uns zur Entsorgungsstation, wo wir Abwasser ablassen und Frischwasser aufnehmen können. Das ist in Norwegen prima organisiert und an dieser Station komplett kostenlos. Ablassen stellt kein Problem dar. Wasser aufnehmen ist bei unserem Camper eine zeitraubende Aktivität zum Durchdrehen. Mit dem Schlauch hier vor Ort ist das Wasser überall, nur nicht im Tank. Gießkanne funktioniert auch nicht. Das Wasser kommt aus dem Füllrohr direkt wieder raus. Der mitgelieferte Kanister mit Einfüllschlauch geht besser, aber auch nur mit viel Gefühl. 30 Liter in 30 Minuten. 100 Liter passen theoretisch rein. Wann soll man das machen? Ideen, wie es richtig geht, sind herzlich willkommen!

Der Hit ist auch der Wasserhahn bzw. besser das völlig entfesselte Wasser ohne Hahn in der Station. Ich wollte damit Flaschen befüllen. Aktiviert wird mit Knopf. Soweit so gut. Raus kam ein tosender Wasserfall. Sofort war die Hütte unter Wasser und der Parkplatz mit geflutet. Und das Ding kann nur An. Das Schauspiel war besser als jede Verstehen Sie Spaß-Folge. Irgendwann stellte es sich von allein wieder ab, aber wie soll man das nutzen und vor allem wofür?

Irgendwann sind wir genervt und fahren. Das Wetter und die Gegend versöhnen uns bald wieder. Alles sieht aus, wie aus dem Bilderbuch. Hinter jedem Hügel ist Wasser. Reicht die Nordsee nicht bis dahin, dann ein See, ein Bach oder zur Not eben ein Stausee. Eine idyllische Insel ist Standard. Ein pittoreskes, buntes Haus darauf gehört zum guten Ton.

Wir folgen heute der Landschaftsroute Jæren, die ab Flekkefjord beginnt. Zunächst geht es durch die Landschaft Dalane. Diese Gegend ist rau, felsig, aber mit vielen Seen – wie aus einer anderen Welt. Wunderschön, aber Landwirtschaft ist kaum möglich. Entsprechend dünn ist sie besiedelt. Man sieht auch mal verfallene Güter. Hier lebt man nur aus Leidenschaft. Erster richtiger Halt sind die Helleren-Häuser. Die Bauernhäuser kleben förmlich unter dem Fels. Sie sind rund 100-150 Jahre alt. Idyllisch ist auch der Hafenort Sogndalstrand.

Nach Egersund ändert sich die Landschaft schlagartig. Wir kommen nach Jæren, dem landwirtschaftlichen Herz Norwegens. Ein großer Betrieb reiht sich an den nächsten. Am Leuchtturm Kvassheim fressen Kühe die angeschwemmten Algen am Strand. Das gibt bestimmt direkt salzigen Feta-Käse! 

In dieser Region liegen auch sehr schöne Sandstrände. Wir wollen jedoch weiter nach Stavanger, lieber etwas früher da sein, damit wir noch einen Stellplatz bekommen. Ein guter Platz ist am Yachthafen. Die Innenstadt ist zu Fuß zu erreichen. Wir unternehmen einen ausgedehnten Spaziergang am Abend durch die bunten Gassen. Die Altstadt dagegen ist geprägt von weißen kleinen Holzhäusern. Am liebsten würde man überall in die Fenster schauen!